Klassik - Kunst der Könige

Das 4. Jahrhundert im Zeichen dynastischer Hegemonien

Internationale Tagung, 18.–20.1.2018, Universität Zürich

Die klassische Kunst Griechenlands mit ihrem Höhepunkt im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. wird oft als Ausdrucksmittel der Polis und ihrer Bürger verstanden. Im folgenden Jahrhundert jedoch sind es im östlichen Mittelmeerraum vor allem dynastische Herrscher, die die Wirkmacht der griechischen Kunst in ihren Dienst stellen. Altbekannte Monumente wie die Makedonischen Kammergräber, das Maussolleion von Halikarnassos, das Nereidenmonument von Xanthos, die Sarkophage der Königsnekropole von Sidon etc., aber auch spektakuläre Neufunde wie die Gräber von Mylasa und Amphipolis veranschaulichen dies. In der bisherigen Forschung gilt das 4. Jahrhundert als Zeit des Übergangs – als 'spät'-klassisch oder als 'vor'‑hellenistisch. Demgegenüber beabsichtigt die Zürcher Tagung, diese Zeit aus ihren eigenen Bedingungen und Möglichkeiten heraus zu betrachten. Sie hat zum Ziel, anhand archäologischer, epigraphischer und literarischer Quellen einen Überblick über das Kunstschaffen an den 'vorhellenistischen' Königshöfen zu geben und zu einer Akzentuierung der 'Spätklassik' beizutragen. Insbesondere besteht die Absicht, bisher separat erforschte Einzelbeispiele aus unterschiedlichen Regionen erstmals vergleichend zu betrachten und aus einer gemeinsamen Perspektive heraus neu zu bewerten.

In einem politischen Umfeld, das immer mehr von der Erschöpfung der traditionellen Grossmächte gezeichnet ist, etablieren sich in Kleinasien, auf Zypern und in der Levante sowie im nordägäischen Raum und im Schwarzmeergebiet neue Herrscher, beständig auf der Suche nach Koalitionen oder Bündnispartnern. In diesem dichten Netzwerk von Kontakten wird die griechische Kunst nicht nur als probates Mittel zur innenpolitischen Distinktion, sondern auch zur Erringung von aussenpolitischem Prestige eingesetzt. So kann das 4. Jahrhundert als Kunstepoche mit grosser Dynamik und Innovationskraft verstanden werden: Palast und Dynastengrab werden zu wichtigen Orten der Kunst; für die herrscherliche Repräsentation werden bestehende Bildthemen in neue Darstellungskontexte übertragen; zur Veranschaulichung lokaler Inhalte werden neue Bilder in griechischem Stil gefunden oder in ihn überführt. Mithilfe der Beiträge will die Tagung folgenden Fragen näherkommen:

  • Welche Medien nutzen die Könige im vorhellenistischen 4. Jahrhundert für ihre Selbstdarstellung? Kann von einer Epoche des Medienwandels gesprochen werden?
  • Wie verändert sich der Darstellungskontext tradierter Bildthemen?
  • Welche neuen Bildinhalte werden in das Repertoire der griechischen Kunst aufgenommen und inwieweit wiederspiegeln diese einen Einfluss anderer Kunststile?
  • Kann die Hofkunst des 4. Jahrhunderts unterschieden werden vom Kunstschaffen in den 'demokratisch', oligarchisch oder von einem Tyrannen regierten Städten in Griechenland, Etrurien, Unteritalien, Sizilien oder Nordafrika?
  • Lassen sich Strategien zur interregionalen Distinktion feststellen? Gibt es Trendsetter, oder aber Regionen, die verspätet an der neuen Kunstwelt teilnehmen?
  • Kann die Kunst im griechischen Stil als gemeinsame Sprache der Dynasten des 4. Jahrhunderts verstanden werden?

Bitte senden Sie uns ihre Vortragsvorschläge mit Abstract (max. 1500 Zeichen) bis zum 2.4.2017 an klassik2018-at-gmail.com. Für die Beiträge in deutscher, französischer oder englischer Sprache ist eine Dauer von 30 Minuten vorgesehen. Reise- und Übernachtungskosten werden im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel übernommen. Eine Publikation der Ergebnisse ist vorgesehen.

Organisation:

Matthias Grawehr (Universität Basel), Jaqueline Koller, Christina Leypold, Martin Mohr, Ellen Thiermann (alle Universität Zürich)

Call for Papers bis am 2.4.2017 >> [PDF (88 KB)]

Tagung: Griechische Keramik nördlich von Etrurien (14./15. Oktober 2011)

Griechische Keramik gehört zu den auffälligsten Gütern, die im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. in die keltischen Machtzentren Mitteleuropas importiert wurden. Lange Zeit galt ihr Nachweis als zentrales Kriterium zur Definition der frühkeltischen ‚Fürstensitze’. Griechische Keramik, so die Annahme, diente der Vermittlung mediterraner Trinksitten in den mitteleuropäischen Raum. Neue Funde aus Kontexten, die nicht mit dem herkömmlichen Bild des ‚Fürstensitzes’ korrespondieren, sowie das immer dichter werdende Netz der Fundpunkte diesseits und jenseits der Alpen legen jedoch eine differenziertere Bewertung des Phänomens „Importkeramik“ nahe. Im Rahmen der Tagung soll die Rolle der griechischen Luxuskeramik als Medium des kulturellen Austauschs zwischen der mediterranen und der mitteleuropäischen Welt kritisch betrachtet und mit Blick auf den archäologischen Kontext der Funde diskutiert werden.

 

Zum Tagungsprogramm [PDF (2.8 MB)] [2,8MB/PDF]

 

Workshop: Keramik und Kolonisation. Die geometrische Keramik Euböas

16. November 2009

Der Workshop dient dem wissenschaftlichen Austausch zwischen Spezialisten der geometrischen Keramik Euböas: Spezialisten, die einerseits für die Schweizer Archäologische Schule in Griechenland im Herstellungsort euböischer Keramik, Eretria, arbeiten, andererseits im Rahmen des International Francavilla Archaeological Project in Süditalien, wo grössere Mengen euböischer Keramik importiert wurden. Zum Programm... [PDF (28 KB)]

Grenzen in Ritual und Kult der Antike

5. bis 6. November 2009 

Grosser Hörsaal des Englischen Seminars, Nadelberg 6 (Hinterhaus)

In der aktuellen Debatte um Grenzen spielt die Antike eine eher untergeordnete Rolle. Ziel des interdisziplinären Basler Kolloquiums ist es, am Beispiel des zentralen Erfahrungsbereichs von Ritual und Kult die Tragweite der Fragestellung für die Altertumswissenschaften zu erhellen. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen: Wo und wie wurden Grenzen in Kult und Ritual in der Antike visualisiert, wie wurden diese Grenzen von den Kultteilnehmern erfahren, in welcher Form wurden Kulte und Rituale selbst zur Grenzziehung eingesetzt und wie konnten diese Grenzen überschritten werden?

Das komplette Programm gibt es als PDF-Dokument [PDF (89 KB)].

 

Griechische Geschichtsschreibung und Altvorderasien: Der Achämenidenhof

Kolloquium, Castelen bei Basel, 22.–25. Mai 2007

Das Thema «Der Achämenidenhof» gehört zu den grossen Schwerpunktthemen im Werk aller uns in grösserem Umfang überlieferten Historiker des 5. und 4. Jh. v. Chr., insbesondere in dem des Ktesias und Xenophons. Das wirkungsmächtige «Konzept Orient», das in jener Zeit entstand, hat im wesentlichen durch das seine Gestalt gewonnen, was jene Autoren über orientalisches Hofleben erfuhren, zu wissen glaubten – und gestalteten (vgl. H. Sancisi-Weerdenburg, Decadence in the Empire or Decadence in the Sources? From source to synthesis: Ctesias, Achaemenid History I [Leiden 1987] 43 f.; R. Bichler / R. Rollinger, Die Hängenden Gärten zu Ninive – Die Lösung eines Rätsels? R. Rollinger (Hrsg.), Von Sumer bis Homer, Festschrift für Manfred Schretter, AOAT 325 [Münster 2004] 202). Von grossem Einfluss auf die Gestaltung war offensichtlich eine Publikumserwartung, die die einzelnen Autoren zu bedienen suchten. So deutet sich an, dass die «Schwüle des Serails», die noch in jüngerer Zeit beschworen und im wesentlichen als historische Gegebenheit gewertet wurde, ein insbesondere von Ktesias genährter Topos ist, der mit der Realität wenig zu tun hat. Die Schilderungen verweichlichter, lenkbarer, zugleich aber geheimnisvoll distanzierter, geradezu entrückter Herrscher bedienten verbreitete Klischees, die über den mächtigen Nachbarn und militärischen Gegner bei den Griechen in Umlauf waren. Geschichten über blutrünstige Königsmütter, intrigante Herrschergattinnen und begehrliche Prinzessinnen bereicherten das Bild und befriedigten eine gewisse Sensationslust, wobei sie zugleich mit einem beim Publikum etablierten Verständnis der Geschlechterrollen kalkulierten, das das Berichtete sensationell erscheinen liess und ihm eine lange Lebensfähigkeit verlieh. Man darf in vielerlei Beziehung behaupten, dass uns das, was die griechischen Historiker berichten, mehr über ihr Publikum verrät als über den behandelten Vorgang oder Gegenstand.

Der für das geplante Kolloquium vorgesehene kontrastive Zugriff auf schriftliche und archäologische Primärquellen soll dazu dienen, jenes Orientbild und die dahinterstehenden historischen Realitäten genauer unterscheiden zu lernen. Die bisherigen Versuche, unser Geschichtsbild zu korrigieren, legten das Gewicht vor allem darauf, durch die Gegenüberstellung von griechischem historischen Bericht und anderen Evidenzen das vermittelte Bild kritisch zu betrachten, Imagination als solche zu entlarven, Rückprojektionen nachzuweisen, kurz alles zu entfernen, was literarische Zutat ist und was sonst berechtigtem Zweifel an der historischen Faktizität unterliegt. Durch dieses Vorgehen wird das Bild der ehemaligen Realitäten des Hoflebens zwar korrekter, verliert aber unweigerlich an Substanz.

Nun existiert eine Fülle von Informationen, die geeignet sind, diesen Verlust zu kompensieren, und dies ist neben den schriftlichen Primärquellen die archäologische Überlieferung. Mit der Bilderwelt, die die Skulpturenausstattung der Residenzen eröffnet, steht eine beredte Quelle für Selbstverständnis und Kommunikationsabsichten des Herrscherhauses zur Verfügung. Die Kleinkunst eröffnet über ihre Themen den Blick auf zahlreiche Aspekte höfischen Lebens, die die Grossplastik nicht thematisiert, spricht aber auch insofern für sich, als sie Tafelluxus, Geschenkwesen, Selbstdarstellung der höfischen Elite etc. illustriert. Diese Aspekte sind natürlich auch schon in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Untersuchungen und Deutungen gewesen, doch steht ihre Interpretation unter den Vorzeichen jenes „bereinigten“ und im wesentlichen auch durch die schriftliche Primärüberlieferung geprägten Verständnisses von Herrschaftsideologie, der sozialen Gegebenheiten innerhalb der höfischen Gesellschaft und der religiösen Überzeugungen im Herrscherhaus selbst und bei breiteren Schichten noch in den Anfängen.

Das gesamte Tagungsprogramm gibt es als PDF-Dokument [PDF (93 KB)].