Lehrveranstaltungen im FS16

Vorträge

Ergänzend zu den Lehrveranstaltungen organisiert die Klassische Archäologie zusammen mit der Vereinigung der Freunde Antiker Kunst Vorträge.

Programm [PDF (208 KB)]

Vorlesungen

Barbarenbilder: Die "Anderen" in der Kunst der griechischen und römischen Welt

Dozent: Prof. Dr. Martin A. Guggisberg
Zeit: Mi 16:15-18:00 Uhr

Beginn: 24.02.2016
Ort: Kollegienhaus, Hörsaal 117
ECTS-Punkte: 2

Die Abgrenzung vom Anderen ist ein zentrales Element kollektiver gesellschaftlicher Identität, in der Antike ebenso wie in der Gegenwart. Entsprechend haben die Griechen und Römer ihre kulturelle Identität immer wieder über die Differenz zu den Nicht-Griechen und Nicht-Römern, den Barbaren, definiert. Aus der älteren Vorstellung einer von gefährlichen Mischwesen (Kentauren, Amazonen u.a.) bewohnten Wildnis konkretisiert sich die Wahrnehmung der Anderen im späten 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. im Bild der Perser, Thraker, Skythen und Afrikaner. Im Hellenismus treten die Gallier an ihre Stelle. Die Römer erleben ihre Feinde im Typus der Nordbarbaren (Daker, Germanen etc.) und der Orientalen (Parther, Sasaniden). Allen Fremdvölkern ist gemeinsam, dass sie in der Kunst der Griechen und Römer als gezielte Gegenbilder zur eigenen Lebenswelt dargestellt werden. Körperlichkeit, Körperhaltung, Gestik, Geschlecht, Kleidung und vieles andere mehr werden als bewusste Metaphern der Andersartigkeit und damit als Projektionsfläche für das eigene Selbstverständnis der griechischen und römischen Bildrezipienten verwendet. Ziel der Vorlesung ist es, die Fremdwahrnehmung der Griechen und Römer im Spiegel ihrer Bildkunst zu beleuchten und im diachronen Vergleich auf ihre kulturelle Eigenart zu befragen. Die Vorlesung ist als Einführung in eine spezifische Thematik der Klassischen Archäologie gedacht und richtet sich gleichermassen an beginnende wie fortgeschrittene Studierende.

Literatur:
T. Hölscher, Feindwelten - Glückswelten. Perser, Kenaturen und Amazonen, in: T. Hölscher (Hrsg.), Gegenwelten zu den Kulturen Griechenlands und Roms in der Antike (2000) 287ff.; P. Zanker, Die Gegenwelt der Barbaren und die Überhöhung der häuslichen Lebenswelt. Überlegungen zum System der kaiserzeitlichen Bilderwelt in: ebenda 409ff.; R. M. Schneider, Bunte Barbaren. Orientalenstatuen aus farbigem Marmor in der römischen Repräsentationskunst (1986); ders., Die Faszination des Feindes. Bilder der Parther und des Orients in Rom, in: J. Wiesehöfer (Hrsg.) Das Partherreich und seine Zeugnisse. Beiträge des intern. Colloquiums, Eutin 1996 (1998) 95ff.

Proseminar

Einführung in die Klassische Archäologie: die römische Epoche

Dozent: MA Simeon Tzonev
Zeit: Mo 10:15-12:00 Uhr

Beginn: 22.02.2016
Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 181
ECTS-Punkte: 3

Das Proseminar soll die Grundlagen für das Studium der römischen Kultur anhand ihrer materiellen Zeugnisse sowie einen Überblick über die dafür relevanten Fragen und Vorgehensweisen vermitteln. Behandelt werden die historische Topographie Roms und des römischen Reiches und die wichtigsten Material-und Denkmälergattungen (Architektur, Plastik, Porträt, Staatsdenkmäler, Malerei etc.) der römischen Republik und Kaiserzeit.

Literatur:
T. Hölscher, Klassische Archäologie. Grundwissen² (Darmstadt 2006); P. Zanker, Die römische Kunst (München 2007); W. Wohlmayr, Die römische Kunst. Ein Handbuch (Mainz 2011).

Römische Wandmalerei. Stile, Ikonographie und Kontexte

Dozentin: Dr. Marianne Mathys
Zeit: Do 16:15-18:00 Uhr

Beginn: 25.02.2016
Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 181
ECTS-Punkte: 3

Die Wanddekoration römischer Häuser ist ein zentrales Beschäftigungsfeld in der Klassischen Archäologie. Im Proseminar werden einerseits die Stilrichtungen der Wanddekorationssysteme (1.-4. Pompejanischer Stil), deren Entstehung sowie Entwicklungsstufen besprochen. Andererseits führen uns die Befunde in die Wohnarchitektur der Vesuvstädte sowie nach Rom und Umgebung, wobei es besonders um Fragen der Ikonographie und Darstellungsmotive aber auch um die Kontexte der Malerei innerhalb des antiken Wohnambientes gehen wird.

Literatur:
H. Mielsch, Römische Wandmalerei (Darmstadt 2001)
I. Baldassarre (Hrsg.), Römische Wandmalerei vom Hellemismus bis zur Spätantike (Köln 2002)

Seminar

Das Bild im frühen Griechenland (8.-5. Jh. v. Chr.) 

Dozent: Dr. Matthias Grawehr Sommerer
Zeit: Fr 10:15-12:00 Uhr

Beginn: 26.02.2016
Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 181
ECTS-Punkte: 3

Nach Jahrhunderten der "Bildleere" kehren im geometrischen Griechenland des 8. und 7. Jhs. v. Chr. erstmals wieder figürliche Bilder ein. Die Wiedererfindung des Bildes und die langsam fortschreitende Entwicklung einer Bildsprache und von Bildkonventionen werden im Seminar in den Blick genommen. Angesprochen werden dabei Transferprozesse aus anderen Kulturen, und die gesellschaftlichen Voraussetzungen für eine gemeinsame Grundlage des Bildverständnisses ebenso wie die methodischen Fallstricke bei der modernen Entschlüsselung der Bilder.

Literatur:
L. Giuliani, Bild und Mythos. Geschichte der Bilderzählung in der griechischen Kunst (München 2003)
A. Haug, Bild und Ornament im frühen Athen (Regensburg 2015)

Übungen

Die Sammlung des British Museum in London

Dozent: Prof. Dr. Martin A. Guggisberg
Zeit: Mi 10:15-12:00 Uhr

Beginn: 24.02.2016
Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Seminarraum S 01
ECTS-Punkte: 3

Als Vorbereitung auf die Exkursion nach London werden in der Übung die Sammlungsgeschichte und die Wirkungsgeschichte ausgewählter archäologische Kunstwerke des Britischen Museums im Mittelpunkt stehen. Die Lehrveranstaltung ist für die ExkursionsteilnehmerInnen obligatorisch. Sie steht jedoch auch Studierenden offen, die nicht auf die Exkursion mitkommen.

Literatur:
I. Jenkins, Die Parthenon-Skulpturen im Britischen Museum (Mainz 2008); D. Williams, Masterpieces of Classical Art (The British Museum 2009).

Der Kaiser in der Hand - Einführung in die Numismatik der römischen Kaiserzeit

Dozent: Dr. Markus Peter
Zeit: Fr 08:15-10:00 Uhr

Beginn: 26.02.2016
Ort: Rosshofgasse (Schnitz), Sitzungsraum S 181
ECTS-Punkte: 3

An Hand von ausgewählten Originalen wird ein Überblick der Struktur und Entwicklung der kaiserzeitlichen Numismatik erarbeitet.

Literatur:
W.E. Metcalf (ed.). The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage (New York 2012), pp. 335-663

Exkursion

London, British Museum

Dozierende: Prof. Dr. Martin A. Guggisberg, MA Simeon Tzonev
Zeit: Block
ECTS-Punkte: 3

Mit über acht Millionen Objekten beherbergt das Britische Museum die grösse museale Sammlung weltweit. Archäologische Artefakte aus der gesamten antiken Welt bilden einen Kernbestand dieser aus dem Kuriositätenkabinett des Britischen Arztes und Sammlers Sir Hans Sloane hervorgegangenen Sammlung. Mit den "Elgin Marbles", den Skulpturen des Mausoleums von Halikarnass und dem Fries des Apollontempels von Bassai beherbergt das Museum Schlüsselwerke der griechischen Kunst, die von dort aus massgeblich den europäischen Klassizismus des 19. Jahrhunderts geprägt haben. Skulpturen, Vasen und Kleinfunde aller Art ergänzen die einzigartige Kollektion griechischer und römischer Meisterwerke bis hin zu einigen der bedeutendsten Silberschätze der Spätantike, die teils in Italien teils in Britannien selbst gefunden worden sind. Weitere archäologische "Highlights" stammen aus Zypern und dem Vorderen Orient. Auf der Exkursion werden die Kunstwerke des Britischen Museums im Mittelpunkt stehen. Darüber hinaus werden wir aber auch andere Museen der Stadt besuchen.

Praktikum

Ausgrabung Francavilla Marittima, Kalabrien

Dozierende: Prof. Martin Guggisberg, MA Corinne Juon, lic.phil. Norbert Spichtig
Zeit: 12. Juni - 17. Juli 2016
Beginn: Bewerbung bis 31.12.2015
Ort: Francavilla Marittima
ECTS-Punkte: 4

Die fünfwöchige Grabungskampagne findet vom 12. Juni - 17. Juli 2016 statt. Ziel der Ausgrabung sind Gräber der lokalen oinotrischen Elite aus dem 8.-6. Jahrhundert, die in engem Austausch mit der benachbarten griechischen Stadt Sybaris stand. Das antike Francavilla Marittima ist ein Schlüsselort für das Verständnis des Kulturaustausches zwischen der indigenen Bevölkerung Süditaliens und den Griechen und Orientalen, die im Rahmen der sog. "grossen griechischen Kolonisation" das westliche Mittelmeer für sich erschlossen.

Literatur:
M. A. Guggisberg; C. Colombi, N. Spichtig, Auf den Spuren der ersten Griechen in Süditalien: Basler Ausgrabungen in Francavilla Marittima bei Sybaris (Kalabrien), Archäologie Schweiz 38, fasc. 3, 2015, 16-23.

VORDERASIATISCHE ALTERTUMSWISSENSCHAFT

Vorlesung

Der Aufstieg des neuassyrischen Reiches

Dozent: Prof. Dr. Bruno Jacobs
Zeit: Mo 14.15-16.00, 14-täglich
Beginn: 29.02.2016
Ort: Rosshof, Tagungsraum 306
ECTS-Punkte: 1

Seit dem letzten Drittel des 10. Jh. v. Chr. gelingt es assyrischen Herrschern zunächst, im Zuge der Aramäerwanderungen verlorene Territorien wiederzugewinnen und in der Folge ein Reich zu entwickeln, das zwischen Ägypten, dem Iranischen Hochland und Anatolien die politischen Rahmenbedingungen für die dort lebende Bevölkerung schafft. Die historischen Abläufe bis zum 7. Jh. v. Chr. und die archäologische Überlieferung aus jenem Zeitraum sind Gegenstand der Vorlesung.

Literatur:
A. Kuhrt, The Ancient Near East c. 3000–330 BC (London 1995); P. Matthiae, L’arte degli Assiri – Cultura e forma del relievo storico (Bari 1996).

Seminar

Hof und Gesellschaft im Achämenidenreich 3 KP

Dozent: Prof. Dr. Bruno Jacobs
Zeit: Di 09.00-12.00, 14-täglich
Beginn: 01.03.2016
Ort: Rosshof, Tagungsraum 306
ECTS-Punkte: 3

Sowohl in den Schriftquellen als auch bei den archäologischen Denkmälern, die sich für die Gesellschaftsstruktur des Achämenidenreichs auswerten lassen, stehen die Eliten und in besonderem Maße der Hof im Vordergrund. In den griechischen und lateinischen Quellen, die hier die reichsten Informationen bieten, wird allerdings ein in vielerlei Hinsicht entstelltes Bild geboten, sei es, was das Hofleben, sei es, was das Verhältnis des Königs zu seinen Untertanen angeht. Für ersteres mag die Rolle der Frauen, für letzteres der Topos, dass der König der einzige Freie in seinem Reich gewesen sei, als Beispiel dienen. Mit der Auswertung anderer Quellen, beispielsweise des Festungsarchivs von Persepolis, fällt nun in gewissem Umfang auch auf andere gesellschaftliche Gruppen Licht.

Literatur:
B. Jacobs / R. Rollinger (Hrsg.), Der Achämenidenhof, Classica et Orientalia 2 (Wiesbaden 2010); Ll. Llewellyn-Jones, King and Court in Ancient Persia 550 to 331 BCE (Edinburgh 2013); Brosius, Women in Ancient Persia 559-331 BC (Oxford 1996).

Übung

Neuere Forschungen zu ausgewählten Denkmälern der altorientalischen Kunst

Dozent: Prof. Dr. Bruno Jacobs
Zeit: Mo 16.00-19.00, 14-täglich
Beginn: 29.02.2016
Ort: Rosshof, Tagungsraum 306
ECTS-Punkte: 3

Unterschiedliche Denkmäler der altvorderasiatischen Kunstgeschichte sollen in dieser Übung beschrieben und gedeutet werden. Dabei werden bevorzugt solche Denkmäler ausgewählt, die in jüngerer Zeit in der Diskussion standen oder neue Interpretationen erfahren haben. Die Übung soll zugleich auf die Exkursion nach London im Mai 2016 vorbereiten.

Literatur:
E. Strommenger, Fünf Jahrtausende Mesopotamien (München 1962); W. Orthmann (Hrsg.), Der Alte Orient, Propyläen Kunstgeschichte XIV (Berlin 1975); siehe auch die Literaturliste im Seminarapparat.